Michael Voß
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Der gute Hirte
Predigt in der Evangelischen Gemeinde Elim Grimma, 12.09.04
Drei Jahre ist es her (2001, die Predigt wurde 2004 gehalten), da wurde das World Trade Center in New York durch Flugzeuge zerstört. Terroristen hatten die Macht übernommen. Wenn auch nur für kurze Zeit, doch umso erschreckender und gewaltiger. Sie brachten Flugzeuge zum Absturz, zerstörten mit lebendigen Bomben die beiden höchsten Türme der Stadt. Und sie zerstörten das Leben von Tausenden. Schreckliche Bilder. Ich werde sie nie vergessen. Sie haben sich bei mir eingebrannt.
(Tagesschau vom 11. September 2001)
Damals stieg die Angst vor einem Krieg. Etwas, was die meisten von uns nie miterlebt hatten. Und die, die es miterlebt hatten, in furchtbarer Erinnerung hatten.
Was war passiert? Warum hatten sich so junge Menschen selbst umgebracht? Was erhofften sie sich?
So genannte geistliche Führer hatten ihren eigenen Moslembrüdern das Paradies versprochen, wenn sie diese schreckliche Tat begehen würden. Sie würden nach dem Tod in einer wundervollen Umgebung leben und hätten einen Harem von Hunderten von Frauen. Diese Führer schickten diese jungen Menschen los gegen die bösen Ungläubigen. „Wir lieben den Tod, ihr das Leben“, so hieß das Motto. Mit einer grausamen Tat sollten sie zeigen, wie mächtig diese Führer und ihre Organisation sind. Diese Chefs – Bin Laden ist einer von ihnen - predigen Gewalt in dieser Welt und versprechen Frieden in der nächsten Welt. Nur sie selbst blieben hier und schickten andere in den Tod.
Warum?
Sie nutzen junge Leute, weil sie offenbar selbst nicht an das glauben, was sie selbst predigen. Sie wollen angreifen. Amerikaner, Christen, Andersgläubige – auch jeden einzelnen von uns. Hier auf dieser Welt. Sie wollen hier leben und die Welt gestalten, wie sie es wollen. Und dazu brauchen sie Selbstmordattentäter, denn gegen Menschen, die sich selbst töten wollen, ist kaum etwas auszurichten. Sie wollen Tod und Angst verbreiten. Das alles hat nichts mit Religion oder Glaube zu tun. Das ist reines Machtstreben des Antichristus. Damit will ich nicht den gesamten Islam verurteilen und alle, die diesem Glauben angehören. Nein. Es ist zwar schade, dass diese Menschen Jesus Christus nur als irgendeinen kleinen Propheten kennen und nicht wissen, was er auch ihnen bietet. Doch aus dem Islam heraus muss nicht unbedingt dieser Hass auf alle anderen Menschen entstehen. Nein, wir Menschen werden immer wieder vom Teufel versucht und genutzt. Ein Blick zurück ins Geschichtsbuch zeigt: Auch wir Christen sind als Kreuzritter in den Krieg gezogen, um angeblich die Gute Nachricht zu verbreiten. Gegen Geldbeträge konnte man sich freikaufen – der Ablasshandel im Mittelalter blühte, bis ihm Martin Luther ein Ende bereitete. Auch Christen waren oft genug Werkzeuge des Teufels. Bis heute. Denken wir nur an Nordirland, wo jedes Jahr wieder blutige Schlachten zwischen Protestanten und Katholiken stattfinden. Und das unter dem Deckmantel des Glaubens!
Jesus hat uns dazu einmal eine sehr schöne Geschichte erzählt. Schlagt doch bitte einmal das Johannes-Evangelium auf. Johannes 10, ab Vers 1.
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht zur Tür hineingeht in den
Schafstall, sondern steigt anderswo hinein, der ist ein Dieb und ein
Räuber.
In der Tat: Zur Tür sind diese Terroristen wirklich nicht hereingekommen.
Der aber zur Tür hineingeht, der ist der Hirte der Schafe. Dem
macht der Türhüter auf, und die Schafe hören seine Stimme; und er ruft
seine Schafe mit Namen und führt sie hinaus. Und wenn er alle seine
Schafe hinausgelassen hat, geht er vor ihnen her, und die Schafe folgen
ihm nach; denn sie kennen seine Stimme. Einem Fremden aber folgen sie nicht nach, sondern fliehen vor ihm; denn sie kennen die Stimme der
Fremden nicht.
Jesus erzählt dies mehr als eine Aufforderung für uns Christen, als eine Tatsache. Heute gibt es nicht mehr so viele Schäfer und Hirten. Doch damals, in der Zeit, als er diese Geschichte erzählte, war das ein sehr häufig vorkommender Beruf. Die Leute, die ihm zuhörten, wussten, wie ein Hirte arbeitete. Sie wussten, dass ihm die Schafe gehorchten und ihn erkannten.
Jesus versucht deutlich zu machen, dass er wie dieser Hirte ist. Die Juden sollten an ihm, dem Messias, folgen und keinem Fremden. Doch die Juden damals verstanden ihn nicht – wie es ja heute oft genug auch so ist. Jesus wurde deshalb deutlicher: Johannes 10 ab Vers 7.
Da sprach Jesus wieder: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. Alle, die vor mir gekommen sind, die sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben ihnen nicht gehorcht. Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden. Ein Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und umzubringen. Ich bin gekommen, damit sie das Leben und volle Genüge haben sollen.
Jesus ist die Tür, der Eingang, zu einem besseren Leben. Er ist jetzt da, wir können uns für ihn entscheiden. Er ist der gute Hirte und die Tür. Wenn ihm jemand folgt und durch diese Tür geht, wir er selig werden. Jesus erklärt weiter:
Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die
Schafe. Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht
gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht - und
der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie -, denn er ist
ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe.
Der Wolf – das ist der Antichrist. Der Teufel. Der Böse.
Kinoliebhaber wissen es – die Filme haben meist einen Guten - und den Schurken. Ein einfaches Gebilde. Doch zu Anfang ist nicht immer gleich alles zu erkennen. Wer ist nun wirklich gut? Und vor allem: Wer ist der Böse? Ein spannender Stoff, weil er aus dem Leben abgeguckt ist.
Jesus sagt einen wichtigen Satz:
Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.
Da identifiziert sich der Gute im Spiel selbst. Und noch mehr: Dieser Anführer lässt nicht andere in seinem Auftrag sterben. Nein, er ist bereit, sein Leben für die ihm Anvertrauten zu lassen. Der werden nicht junge Menschen aufgehetzt, sich mit Bomben oder Flugzeugen bewaffnet in den Tod zu jagen. Nein, dieser gute Hirte will sein Leben selbst opfern, um seinen Schafen zu helfen.
Wir kennen den Ausgang der Geschichte. Es war kein leeres Versprechen. Jesus gab später seine Leben, damit unsere Schuld und unsere Sünden getilgt wurden. Er bekam sein Leben später wieder, durfte auferstehen. Aber der Mensch Jesus Christus ist erst mal freiwillig in den Tod gegangen, um die ihm anvertrauten Menschen zu retten. Nicht, um andere Menschen, die gegen ihn waren, zu töten. Jesus hätte es damals gekonnt. Er wusste, wer ihn verraten würde. Er wusste, wer das Urteil vollstrecken würde. Er kannte die Pharisäer. Aber er nahm niemanden das Leben. Er ging in den Tod, um anderen das wahre Leben zu geben. Jesus nahm nicht, er gab. Bis heute. Und das ist der Unterschied.
Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich, wie mich mein Vater kennt, und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe. Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden.
Jesus will diese Menschen, die ihn noch nicht gefunden haben, auch überzeugen. Er hat noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind. Sie will er herführen und es solle eine Herde und ein Hirte werden.
Und damit sind wir am Anfang: Wir haben den Unterschied entdeckt. Jesus selbst hat ihn uns erklärt.
- Jesus ist als Hirte bereit, für andere zu sterben, um sie zu beschützen.
- Er kennt seine Schutzbefohlenen. Und die kennen ihn.
- Beide Seiten können sich aufeinander verlassen.
- Und es gibt noch Andersgläubige. Sie wird er herführen, damit es eine Herde wird. Aber er wird sie mit der Stimme überzeugen. Nicht mit dem Tod, nicht mit Anschläge, nicht mit Angst. Sondern mit Überzeugung.
Das ist die Gute Nachricht.
Doch noch immer zweifeln viele Menschen daran. Sie sehen, wie Menschen sich durch die Welt bomben. Sie haben Angst vor der Gewalt des Teufels.
Wie soll denn das mit Jesus Christus funktionieren? Sehr oft kommt diese Frage und die Leute geben einfach auf. Lassen sich treiben.
Doch: Nur weil ich nicht weiß, wie der Motor meine Autos funktioniert, sag ich doch auch nicht, der Wagen kann nicht fahren.
Nur weil ich die Unendlichkeit des Weltalls nicht erklären kann, sag ich
nicht: Das Weltall gibt es nicht.
Aber das genau tun viele Menschen. Sie wissen nicht, wie Jesus, wie Gott, funktioniert. Sie können dieses Wesen nicht erklären. Und deshalb kann er auch nicht arbeiten - gibt es ihn nicht. Meinen diese Nichtchristen.
Lasst uns ein Beispiel sein. Lasst uns den Nichtchristen vorleben, an was wir glauben. Lasst uns ihnen unsere Sicherheit spüren. Lasst uns erzählen von Jesus Christus.